Kryokonservierung
Kryokonservierung ist ein Verfahren, mit dem biologisches Material (Zellen oder Gewebe) bei extrem niedrigen Temperaturen (bis zu –196 °C) für lange Zeit haltbar gemacht wird. Im Zusammenhang mit Fruchtbarkeit können so Spermien, Eizellen, Hodengewebe oder Eierstockgewebe eingefroren werden. Ziel ist der Erhalt der Fruchtbarkeit – z. B. bevor eine Krebsbehandlung die Keimzellen dauerhaft schädigen kann.
Warum sollte vor einer Krebstherapie an Kryokonservierung gedacht werden?
Bestimmte Therapien (z. B. Chemotherapie, Bestrahlung im Becken- oder Bauchbereich, manche Operationen) können die Funktion von Hoden oder Eierstöcken vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigen. Das Einfrieren von Keimzellen oder -gewebe vor Therapiebeginn erhöht die Chance, später leibliche Kinder zu bekommen – unabhängig davon, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt.
Wie läuft die Kryokonservierung ab?
Bei Männern:
- Beratung: Aufklärung über Risiken für die Fruchtbarkeit und mögliche Optionen.
- Abgabe einer Samenprobe. Ist keine Ejakulation möglich, gibt es Alternativen wie die Gewinnung von Spermien direkt aus Hodengewebe (TESE).
- Analyse & Einfrieren: Die Qualität wird geprüft, dann wird das Material in Portionen kryokonserviert.
- Lagerung: in spezialisierten Kryobanken bei ca. –196 °C, zeitlich unbegrenzt haltbar, bis zur Nutzung.
Bei Frauen:
- Beratung: Einschätzung des individuellen Risikos für Fruchtbarkeitsverlust und Abwägung der Optionen.
- Hormonelle Stimulation: In der Regel wird der Eierstock über 10–14 Tage hormonell stimuliert, damit mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen. Bei akutem Therapiebeginn kann dies zeitlich eng getaktet oder – je nach Zyklusphase – verkürzt erfolgen.
- Follikelpunktion: Die reifen Eizellen werden unter kurzer Narkose entnommen.
- Einfrieren (Vitrifikation): Die unbefruchteten Eizellen werden schockgefroren; dieses Verfahren hat sich gegenüber dem langsamen Einfrieren durchgesetzt, da es die Überlebensrate nach dem Auftauen deutlich erhöht.
- Alternativ oder ergänzend kann Eierstockgewebe entnommen und eingefroren werden –wenn keine Zeit für eine Hormonstimulation bleibt oder bei Kindern vor der Pubertät. Dieses Gewebe kann später wieder eingesetzt werden, um die Hormonfunktion und ggf. die natürliche Fruchtbarkeit wiederherzustellen.
- Lagerung: in spezialisierten Kryobanken bei ca. –196 °C, zeitlich unbegrenzt haltbar, bis zur Nutzung (z. B. ICSI/IVF).
- Leitlinienempfehlungen zum Fertilitätserhalt bei onkologischen Erkrankungen (AWMF)
- Fertilitätserhalt bei Krebserkrankungen im Überblick (Onkopedia)
- Wie das Einfrieren von Eizellen und Spermien bei Krebs abläuft (DKFZ)
- Fertilität und Kinderwunsch bei jungen Erwachsenen mit Krebs (Deutsche Krebshilfe)
- Wie Ei- und Samenzellen durch Kryokonservierung tiefgefroren werden (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, BZgA)
- Kryokonservierung von Eizellen, Embryonen, Eierstock- und Hodengewebe sowie Spermien (Universitätsklinikum Bonn)
