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Warum du öfter Nein sagen solltest
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Ich lerne gerade, Nein zu sagen (mit Herzrasen)

Ständig Ja sagen, obwohl eigentlich alles im Körper Nein schreit? Unsere Redakteurin Katja teilt ihre Erfahrungen mit People Pleasing, Grenzen setzen und dem Versuch, nicht immer für alle verfügbar zu sein.

Ich weiß nicht, wann genau Neinsagen so kompliziert geworden ist. Aber irgendwie schaffen es viele von uns, selbst dann Ja zu sagen, wenn wirklich alles im Körper dagegen schreit.

Es gibt sie aber da draußen. Menschen, die einfach Nein sagen können. Kurz, freundlich, ohne Herzrasen. Ich gehöre leider nicht zu diesen Menschen. Du schon? Perfekt, dieser Artikel ist nicht für dich. (Vielleicht interessiert dich aber wie mein Kollege Dave sich beim achtsamen Gehen schlägt). Aber ich glaube, die meisten wissen ganz genau, wie schwer sich ein Nein manchmal anfühlen kann.

Treffen mit Freund:innen? Na klar! Ausflug übers Wochenende, auch wenn ich eigentlich für die Uni lernen sollte? Das geht sich schon irgendwie aus. Noch eine zusätzliche Aufgabe im Job? Nur her damit.

Versteh mich nicht falsch. All diese Dinge sind schön: Zeit mit den Liebsten, spontane Trips, mehr Verantwortung. Aber Grenzen zu setzen ist auch wichtig. Sich selbst an die erste Stelle zu setzen – vielleicht sogar noch wichtiger. Und dieses eine kleine Wort mit vier Buchstaben über die Lippen zu bringen? Definitiv weit oben auf der Wichtigkeitsskala.

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Nein sagen? Für unsere Redakteurin Katja ungefähr so angenehm wie der freundliche Besuch eines Horrorclowns an der Haustür. (Foto: Unsplash/David Trinks)

Aber wo fängt man an, wenn sich das Nervensystem anfühlt wie ein Landeanflug in Madeira? Joa, gute Frage. Die bessere Frage ist:

Warum fällt es uns überhaupt so schwer, Nein zu sagen?

Zu Beginn: Gerade Frauen bekommen gefühlt schon in die Wiege gelegt, gehorsam zu sein und ja nicht anzustoßen. Nicht zu vergessen sind natürlich die internalisierten Schuldgefühle, also das schlechte Gewissen, weil man es nicht allen recht machen kann. Und wenn das nicht reicht, gibt es da noch Menschen, die glauben, permanent Anspruch auf unsere Zeit zu haben.

Egal, woher es kommt. Wir sind hier, um das zu ändern. Also habe ich recherchiert. „Google, bitte sei doch so lieb und bring mir bei, wie man Nein sagt.“ (Google, nicht ChatGPT!)

Und tatsächlich gibt es Menschen da draußen, die sich beruflich damit beschäftigen. Verrückt eigentlich. Aber anscheinend ist Neinsagen wirklich so ein universelles Problem, dass Bücher darüber geschrieben werden, Podcasts existieren und wahrscheinlich irgendwo ein TED-Talk mit dem Titel „Wie Neinsagen mein Leben komplett verändert hat” herumfliegt.

Die Quintessenz von allem: Neinsagen ist nichts Böses. Es ist kein Charakterfehler und auch kein persönlicher Angriff. Eigentlich ist es sogar das Gegenteil: ein Akt von Selbstfürsorge. Weil unser Wert nicht davon abhängt, wie verfügbar wir jederzeit für andere sind. Und vor allem, weil wir nicht dauerhaft nachgeben müssen, nur damit bloß niemand enttäuscht ist.

Heißt natürlich nicht, dass Neinsagen sich plötzlich toll anfühlt. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die helfen können, damit sich das schlechte Gewissen nicht jedes Mal aufführt wie mein Herz nach fünf Tassen Kaffee.

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Liveaufnahme einer Person, die gerade Nein gesagt und sich sehr viel Stress erspart hat. (Foto: Unsplash/AJIN AJEESH)

1. Klare Grenzen kommunizieren.

Manchmal reicht ein einfaches: „Ich schaffe das gerade nicht.“ Klingt wahrscheinlich einfacher als es ist, aber Grenzen setzen muss man auch erst lernen. Und nicht jede Absage muss mit einer emotionalen Übererklärung gerechtfertigt werden.

2. Die eigene Self-Care bzw. Selbstfürsorge priorisieren

Wenn man ständig die Bedürfnisse anderer über die eigenen stellt, fühlt sich Ruhe fast falsch an. Aber alleine auf dem Sofa die Lieblingsserie auf Dauerschleife laufen lassen, sollte man tatsächlich auch als “verplant” zählen.

3. Regelmäßig Nein sagen in „risikoarmen” Situationen

Nein zu sagen wird uns leider nicht in die Wiege gelegt. Also gehört hier Training her, wie auch im Sport. Also vielleicht nicht direkt beim Weihnachtsfamilienessen anfangen, sondern beim „Magst du noch schnell…“ im Arbeitschat. Kleine Schritte.

4. Sich Zeit nehmen, zu antworten

Nicht jede Nachricht braucht innerhalb von sieben Sekunden eine Antwort. Im Zeitalter von Handys wird das aber fast schon erwartet. Aber was ich mir selbst immer sage: Ich bin keine Kundenservice-Hotline-Mitarbeiterin. Ich darf auch mal nicht erreichbar sein.

5. Lernen, Unbehagen auszuhalten

Nein sagen ist unangenehm, vor allem, wenn man das nicht gewohnt ist. Aber unangenehm ist nicht automatisch falsch, sondern ungewohnt. Es bedeutet, eine Grenze zu setzen, statt sich selbst spontan emotional anzuzünden.

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Unsere Redakteurin Katja, wenige Minuten nachdem sie festgestellt hat, dass ein Nein keine Naturkatastrophe auslöst. (Foto:privat)

Also jetzt haben wir die Tipps, die Denke und hoffentlich die Motivation, das Gelernte umzusetzen. Ich bin hier, damit wir gemeinsam den Sprung ins Ungewisse wagen. Wie wäre es, wenn wir beide diese Woche versuchen, nur das zu tun, worauf wir wirklich Bock haben? Nein zu mühsamen Treffen. Nein zu Stress. Und Nein einfach, um mal Nein zu sagen.

Von einer Person, die wahrscheinlich morgen trotzdem wieder reflexartig Ja sagen wird. Übung macht die Meisterin.

Quellen und Links:

Titelbild: Kurvenkratzer/Lena Kalinka

Über die Serie

Dass wir bei Kurvenkratzer Fans von Achtsamkeit sind, ist wirklich kein Geheimnis. Egal ob mit oder ohne Krebs, gemütliche Schildkröte oder emsiger Duracell-Hase, wir alle kennen dieses Gefühl: 37 offene Tabs im Kopf, irgendwo läuft noch Musik und niemand weiß mehr, wo sie herkommt.  

Genau da setzen wir an. Unsere Redakteur:innen geben persönliche Einblicke in ihren Alltag mit Achtsamkeit. Wir teilen, was für uns funktioniert und was eher nicht. In kurzweiligen Artikeln berichten wir von unseren Erfahrungen mit der achtsamen Ecke des Lebens. Wo wir nur das behalten, was sich nicht nach Bullshit anfühlt. Ehrlich, ungeschönt und ohne so zu tun, als hätten wir alles im Griff.

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