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Frag Theresa: Sexkolumne für Krebserfahrene
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Let’s talk about Sex, Doc! Aber wie?

Dein Sexleben ist dir wichtig, aber dein Arzt oder deine Ärztin ist überfordert? Theresa Lachner gibt Tipps, wie du Intimes im ärztlichen Gespräch anbringst und warum das für deine Genesung unverzichtbar ist.

Liebe Theresa, mein Sexleben ist mir wichtig. Und ich habe, gerade jetzt, echt viele Fragen. Aber meinem Arzt scheint das komplett unangenehm zu sein. Soll ich sprechen – oder für immer schweigen? 

Liebe Grüße, B. Treten 

Liebe hoffentlich bald Un-B.-schämbare, 

erstmal die furztrockene Faktenlage: Über die Hälfte, nämlich schlappe 50-70% aller Krebspatient:innen, leiden nach ihrer Behandlung unter der ein oder anderen sexuellen Funktionsstörung. Mit der Betonung auf „leiden“, es soll ja auch Menschen geben, die sich tatsächlich (wie oft gefordert) einfach freuen, dass sie überhaupt noch am Leben sind. Ganz unabhängig davon, ob sich untenrum noch viel regt oder nicht. 

Du gehörst also zur Mehrheit. Und das ist auch eine gute Nachricht. 

Die Datenlage deutet nämlich darauf hin, dass selbst kurze Interventionen durch medizinisches Fachpersonal – zum Beispiel Aufklärung oder einfache Vorschläge – die sexuelle Funktionsfähigkeit deutlich verbessern können. Und, nächste gute Nachricht, auf diese Weise bis zu 70% der Patient:innen mit kurzen Interventionen wieder zum Ausgangsniveau zurückkehren können.  

Klingt ja jetzt erst mal nicht gerade nach ‘nem Fall für die Make-a-Wish-Foundation, ist in der Praxis aber trotzdem oft richtig schwer. 

Theresa Lachner ist Gesundheitsjournalistin und Sexualberaterin und findet auch da Worte, wo sie anderen manchmal im Hals stecken bleiben – zum Beispiel in ihrem Podcast LVSTPRINZIP. An der Schnittstelle zwischen Körperlichem, Sexualität und Medien mag sie‘s empathisch-pragmatisch, evidenzbasiert und ohne erhobenen Zeigefinger. Theresa mag Eisschwimmen, Realityfernsehen und ihre 53 Zimmerpflanzen. 

medizinisches Personal/Arzt/Ärztin hält beide Arme in die Höhe Augen weit aufgerissen
Du willst mit deinem Arzt über Sex reden – und bekommst diesen Gesichtsausdruck? Nicht mit Theresas Tipps. (Foto: Unsplash/Usman Yousaf)

Eine, die das mindestens genauso aufregt wie mich, ist Dr. Stephanie Kossow, Fachärztin für Allgemeinmedizin. Im Gegensatz zu mir schreibt sie aber nicht nur grumpy Sexkolumnen darüber, sondern bietet konstruktiverweise Kommunikationstrainings für medizinisches Fachpersonal an. 

Laut der tiefenpsychologischen Psychotherapeutin und Sexualtherapeutin gibt es mehrere Hürden auf dem Weg zum unverkrampften Sextalk mit Herrn oder Frau Doktor: Keine Zeit, kein Budget für Gespräche und Sexualität ist sowieso kein Teil der Ausbildung. Viele Ärzt:innen seien weder privat noch beruflich besonders geübt darin, über Sex zu sprechen oder haben die eigenen Themen nicht gut reflektiert und bearbeitet. Gerade männliche Ärzte äußern in ihren Weiterbildungen außerdem oft die Angst, weiblichen Patient:innen zu nahe zu treten oder übergriffig zu wirken.

So entstehen Scham und Hemmungen, auf beiden Seiten. Dabei wäre es eigentlich ärztliche Aufgabe, das Thema Sex im Kontext einer Krebserkrankung anzusprechen. „Das ist nicht nur relevant für die Lebensqualität, sondern auch für die Medikation, für die Partnerschaftsqualität und sogar fürs Überleben, weil unsere Beziehungen für uns überlebenswichtig sind.“ Jawoll, Dr. Kossow! Und jetzt? 

Du hast Fragen rund um Sex und Körperliches? Theresa beantwortet sie!  

Es sei gut, sich schon vorab Gedanken zu machen, rät Dr. Kossow. Oft gibt es Hinweise auf einer Website, zum Beispiel ein Eintrag bei Queermed, wo Ärzt:innen gelistet sind, die sich mit dem Thema Sexualität diversitätssensibel auseinandersetzen und so die Wahrscheinlichkeit deutlich größer ist, dass sie nicht vor Schreck vom Stuhl kippen, wenn die Frage auf Intimes kommt. Manchmal hilft es, den oder die Partner:in mitzubringen – vorausgesetzt natürlich, ihr könnt in eurer Beziehung auch gut offen über das Thema reden. 

Ansonsten hilft nur, klar und deutlich zu sein: „Ich hab eine Frage zum Thema Sexualität. Das ist mir wichtig. Können Sie mir dazu Beratung anbieten oder kennen Sie jemanden, der das übernehmen kann?“ 

Fingers crossed, Legs uncrossed, liebe B.! 

Quellen und Links 

 Titelbild: Herrholzner, Kurvenkratzer

Über die Serie

Wenn der Körper nach einer Krebserkrankung zur Großbaustelle wird, sagt die Libido oft leise Servus. Aber das muss nicht aller feuchten Tage Ende sein. Theresa Lachner ist Gesundheitsjournalistin, Sexualberaterin und weiß, wie man sie zurückbringt.

In ihrer neuen Kolumne „Frag Theresa – Sexkolumne für Krebserfahrene“ liefert sie eine monatliche Dosis sexueller Selbstbestimmung – direkt, empathisch-pragmatisch und garantiert ohne erhobenen Zeigefinger. Von Solo-Sex-Hacks bis zur erotischen Identität gibt Theresa Antworten, die sich nicht wie Therapie, sondern wie ein ehrliches Gespräch unter Kompliz:innen anfühlen.

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