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Teil 1: Diagnose: Krebs – und was nun?
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Sieben Tipps, um sicher durch die Krebsdiagnose zu kommen

Krebsdiagnose – und plötzlich ist alles anders. Diese sieben Tipps helfen dir, im Chaos von Erstuntersuchung, Diagnose und Befund Halt und Kraft zu finden.

In diesem Artikel geben wir dir:

  • Orientierung über die nächsten Schritte nach einer Krebsdiagnose.
  • Eine praktische Checkliste, damit du die Kontrolle behältst.
  • Tipps, wie du dein Leben trotz Diagnose so selbstbestimmt wie möglich gestalten kannst.

Eine Krebsdiagnose trifft das Leben wie ein Meteoriteneinschlag. Wer damit konfrontiert wird, steht oft ratlos vor der neuen Situation. Das Leben verlief bisher in geregelten Bahnen, von einem Punkt zum nächsten. Doch plötzlich verschieben sich die Prioritäten über Nacht.

Mit dieser Checkliste geben wir dir einige Tipps zur Bewältigung des Notfalls, falls bei dir oder einem Angehörigen kürzlich Krebs diagnostiziert wurde. Übrigens ist dies der Beginn einer Serie von Hilfestellungen für die häufigsten Situationen während einer Krebserkrankung – vom Arztgespräch bis zur Reha.

Streetart Mann fasst sich an Kopf Schmerz
Eine Krebsdiagnose ist erstmal ein Schock. Schreie, sei traurig, fluche - das hilft. Und dann atme tiiiiief durch. Wir begleiten dich! (Foto: Unsplash/Aaron Blanco Tejedor)

1. Ein Tumor wurde diagnostiziert

Da ist er nun, dieser verfluchte Krebs. Was spürst du? Wut, Ohnmacht, Angst, Zorn? Wenn du fluchen und schimpfen willst, nur zu! Lass es raus. Verdammt nochmal! Schrei laut. Niemand wird es dir verübeln. Eine solche Diagnose wählt niemand freiwillig. Für weniger laute Personen: Such dir eine vertraute Person, um das Erlebte zu besprechen.

Nachdem der erste Schock überwunden ist, finde einen ruhigen Ort, schließe die Augen, spüre den Boden unter deinen Füßen und konzentriere dich auf deinen Atem: einatmen, ausatmen, ein, aus. Folge diesem Rhythmus. Versuche nicht, den Atem zu kontrollieren; lass ihn einfach natürlich kommen und gehen. Bleibe einige Minuten sitzen, bis du dich ruhiger fühlst und die Verbindung zur Erde unter deinen Füßen spürst. Diese Übung hilft, Panik abzubauen, Angst zu mildern und im gegenwärtigen Moment zu bleiben. Ein entspannter Geist denkt klarer.

2. Schreib möglichst viel mit

Hast du ein Notizbuch zu Hause? Hol es aus der Schreibtischschublade und halte fest, was dir bei der Diagnose gesagt wurde. Wer hat mit dir gesprochen? Welcher Körperteil wurde untersucht? Was genau wurde festgestellt? Müssen noch Differenzialdiagnosen geklärt werden, also könnte es sich auch um eine andere Erkrankung handeln, oder ist es eindeutig Krebs? Welche Schritte stehen als nächstes an?

Ist kein Notizheft zur Hand, schreibe alles auf ein A4-Blatt und übertrage es später in ein gebundenes Notizbuch. Digitale Tools (z. B. Evernote, OneNote, Keep, die Notizen-App deines Handys usw.) sind natürlich auch gut, aber das Schreiben mit der Hand hilft, dich besser im Moment zu konzentrieren.

Pro-Tipp: Begleitung und Übersetzung

Such dir eine Begleitperson, die dich zum Artgespräch begleitet und mitschreibt. Und dann überlege: Wer könnte dir helfen, den Befund in verständliche Alltagssprache zu übersetzen? Vielleicht deine behandelnde ärztliche Person, das Pflegepersonal, jemand aus deinem Umfeld, deine Hausärztin oder dein Hausarzt?

Hand Stift schreiben Notizbuch
Handschriftliches Notieren beruhigt und hilft dir, im gegenwärtigen Moment zu bleiben. (Foto: Pexels/Lilartsy)

3. Das Netzwerk aktivieren und über den Krebs reden

Deine Diagnose lässt sich nicht einfach ignorieren. Überlege, wer in deinem Umfeld dir jetzt helfen kann.

In deinem persönlichen Netzwerk gibt es sicher Ärzt:innen, Personen mit eigener Krebserfahrung oder belesene Freund:innen. Wer könnte dir helfen? Wer kann dir gute Ärzt:innen oder Krankenhäuser empfehlen? Wer könnte einfach für dich da sein? Es ist kein Zeichen von Schwäche, um Hilfe zu bitten.

Ob und wie du über deine Krebsdiagnose sprichst, ist eine persönliche Entscheidung. Wir betonen stets: Egal, wie du über Krebs sprichst, Hauptsache du tust es. Sei dir jedoch bewusst, dass Krebs in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema ist. Trotzdem solltest du offen mit der Erkrankung umgehen dürfen.

Es ist sinnvoll, zumindest deine engsten Vertrauten einzuweihen. Es kann passieren, dass die Nachricht weitergetragen wird. Sollte das geschehen, ist es meist keine Böswilligkeit, sondern Ausdruck von Sorge. Daher könnte es hilfreich sein, offen damit umzugehen. Wenn du unsicher bist, sprich mit deinem besten Freund oder deiner besten Freundin darüber. Oft wird das Schicksal tragbarer, wenn man es ausspricht.

Menschengruppe Freunde fröhlich
Nach einer Krebsdiagnose ist es wichtig, dich mit Menschen zu umgeben, die dir gut tun. (Foto: Pexels/Kampus)

Pro-Tipp: Die Verkündigung

Wenn du dein Umfeld über die Diagnose informieren möchtest, versuche, alle zusammenzubringen und ihnen gemeinsam davon zu erzählen. So musst du die Fragen nur einmal beantworten und das Gespräch nur einmal führen, was deine Energie schont. Außerdem können sie sich gegenseitig trösten, sodass du diese Rolle nicht übernehmen musst.

Erkläre auch, wie du dir den Umgang mit der Situation wünschst: Soll offen darüber gesprochen werden? Hat Humor seinen Platz? Dürfen sie dich fragen, wie es dir geht? Wie können sie dich unterstützen? Was sind die nächsten Schritte?

Wie du dein Leben trotz Krebsdiagnose selbstbestimmt gestalten kannst, erfährst du auf der nächsten Seite.

Über die Serie

Eine Krebsdiagnose schlägt wie ein riesiger Meteorit in das Leben von Betroffenen und Angehörigen ein. Wer damit konfrontiert wird, weiß im ersten Moment nicht, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Das ist komplett normal. Bisher schien alles so toll in geradlinigen Bahnen zu verlaufen. Nun sind vom einen auf den anderen Tag die Prioritäten total verschoben.

Kurvenkratzer reicht dir mit dieser Checklisten-Serie Tipps für die Bewältigung des Schocks. Wir haben praxiserprobte Hilfestellungen für die häufigsten Situationen während einer Krebserkrankung für dich auf Lager – vom medizinischen Gespräch bei der Diagnosestellung bis zum Reha-Aufenthalt in der Nachsorgephase. Und wir geben Impulse, wie dir ein achtsamer Umgang mit der Erkrankung gelingt.

Bitte beachte: Krebs ist höchst individuell. Die auf diesen Seiten enthaltenen Informationen stellen keine verbindliche und vollumfängliche medizinische Auskunft dar. Bitte berate dich betreffend deiner Therapieentscheidung jedenfalls mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Kurvenkratzer übernimmt keine Haftung für Fehlbehandlungen.

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