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Checkliste: Neuer Alltag nach Krebs
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Von Chemo zu Cha-Cha-Cha – Wie du durch den neuen Alltag tanzt

Der neue Alltag nach Krebs hat so seine Tücken. Nichts fühlt sich wie vorher an und deine Akkukapazität ist eingeschränkt. Damit das Leben nach Krebs zum Tanz und nicht zum Spießrutenlauf wird, zeigen wir dir in unserer Checkliste konkret, wie du den Alltag meisterst.

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Der Krebs ist dahin, meint der:die Ärzt:in und gratuliert dir herzlichst. „Wir sehen uns in ein paar Monaten zur Nachuntersuchung“. Und Schwups, ist das Krankenhaus nur noch ein nostalgischer Ort der Bewältigung. Geschafft! Urkunde gibt’s leider keine. Und da stehst du nun: Einerseits glücklich, andererseits so müde wie noch nie, vor dem nächsten Lebensabschnitt 

Und der soll möglichst wenig mit Gevatter Tod zu tun haben. Aber der Krebs prägt dich, und wird es weiterhin tun.  

Die Entlassung in den Alltag birgt die ein oder andere Hürde. Du willst Intensität, Lieben und Leben wie vor dem Gekrebse… und Bam! Zurück ins gute alte Bett. Einen Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück. Wenn du jetzt verwirrt bist, keine Angst! Ist alles „normal“, auch die Ungeduld.  

Dein Genesungsprozess ist im vollen Gange und – so viel sei gesagt –  noch lange nicht zu Ende. Wir zeigen dir, welche Lebensbereiche du beachten musst, um so bald wie möglich wieder sagen zu können: Ich bin rundum gesund. 

Frau, die laufend Hürden überspringt.
Hürden sind da, um übersprungen zu werden. (Foto: Pexels/Andrea Piacquadio)

Dieser Artikel ist insbesondere auf Brustkrebspatient:innen zugeschnitten. Im Grunde richten sich unsere Tipps für den neuen Alltag aber an alle Krebspatient:innen.

Rekonvales-das-Wort-muss-man-erstmal-sagen-können-zenz 

Das Wort der Stunde: „Rekonvaleszenz“ ist Latein für “wieder stark werden”. 

Und so viel darfst du dir eingestehen: Du hast schon so viel geschafft, du bist bereits stark. Diesen letzten Schritt, den kriegst du auch noch hin. Es ist wie Anfang März, wenn man weiß, dass der Frühling vor der Tür steht, der Winter sich aber noch hartnäckig hält.  

Stell’s dir so vor: Der olle Krebs hat deine Akkukapazität eingeschränkt, und jetzt musst du jeden Tag dafür arbeiten, dass dieser Akku wieder mehr Fassungsvermögen hat. Das heißt, dass dein Energiehaushalt anfangs noch nicht so groß ist, du schnell an deine Grenzen kommst und das Bett als Zufluchtsort suchst. Aber Schritt für Schritt lädt sich dein Akku wieder auf und hat bald die Kapazität, die dein Kopf sicherlich längst verlangt. 

Ende gut, alles oasch*? 

Die Phase kurz nach dem Therapieende ist besonders kritisch. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass dein Umfeld plötzlich Ansprüche stellt, weil viele denken, dass du jetzt wieder genauso quicklebendig bist wie vorher.  

Du hast den Krebs doch überlebt, was jammerst du noch herum?“, hörst du diesen Satz manchmal? Es. Ist. Zum. Kotzen. Wer Krebs nicht durchgemacht hat, weiß gar nicht, wie sich das Leben danach anfühlt. Hinzu kommt, dass du die letzten Monate den Krebs innerhalb einer festgelegten Struktur bewältigt hast. Eine Struktur, die nun wegfällt. Gerade vier bis acht Wochen nach dem Ende der Therapie kann es passieren, dass du in ein Loch fällst. So erkennst und bewältigst du depressive Episoden.

*“Oasch“ ist übrigens österreichisch für „blöd“, „schlecht“, „mies“. 

Mann, der auf ein Handy schaut, das anzeigt, dass die Batterie leer ist
Wenn die Batterie leer ist, musst du eben zurück zur Ladestation. (Foto: Pexels/Ron Lach)

Out of the dark, into the light 

Und wer hat denn bitte keine Angst? Eine Krebserkrankung kann traumatisieren. Du hast vielleicht Ängste, dass der Krebs zurückkommt. Oder dass er sich weiter ausbreitet. Oder alles schlimmer wird. Solche Rezidiv- und Progredienzängste können von depressiven Episoden begleitet werden oder dazu führen.  

  • Sorgsam nachsorgen. Ziel der Nachsorge ist es, einen Rückfall möglichst früh zu erkennen. Dazu wirst du in regelmäßigen Abständen untersucht. Wie das genau aussieht, hängt von Krebsart, Erkrankungsstadium, bisherigen Krankheitsverlauf, entstandenen Nebenwirkungen, Rückfallrisiko und möglichen Spätfolgen ab. You know the drill. Wir hätten da ganz zufällig einen kompletten Guide für die Brustkrebsnachsorge für dich.
  • Geh zum:zur Ärzt:in, sobald dir etwas auffällt. So kannst du so schnell wie möglich erkennen, ob wirklich etwas da ist, oder deine Nerven beruhigen, falls nichts da ist. 
  • Hol dir weiterhin psychosoziale Hilfe bei Selbsthilfegruppen, Psychoonkologen, etc.

Das neue Alltagsabenteuer 

Der Enterhaken aus dem Loch ist die neue (alte?) Routine. Eine Struktur, die dir Halt im Alltag gibt, dich bei der Genesung unterstützt und dein Energielevel stabil hält. So kannst du dem gefühlten Kontrollverlust entgegenwirken und depressive Symptome vermeiden. 

  • Stehe jeden Tag um dieselbe Uhrzeit auf und gehe um dieselbe Uhrzeit schlafen. Hände weg von schlafstörenden Substanzen (Alkohol, Koffein, große Mahlzeiten). Und genieße den Mittagsschlaf nicht über eine Stunde hinaus, sonst gerät deine innere Uhr aus der Balance. Hier alles weitere zu Schlafstörungen.
  • Plane deinen Tag schon im Vorhinein.
  • Finde eine gute Balance zwischen Aktivität und Ruhe. Versuche zwischen den Aktivitäten eine Pufferzeit von einer Stunde Ruhe einzuplanen. 
  • It’s all in your head: Affirmationen. Entfessle dich aus negativen Gedankenschleifen, indem du dir jeden Tag positive Affirmationen (wie z. B. “Ich bin frei von Angst”) verinnerlichst. Mach sie zu deinem persönlichen Mantra und integriere sie in deinen Tagesablauf wie das Zähneputzen. Hier findest du eine genaue Anleitung.
Mops, der die Decke um den Kopf geschlungen hat.
Es ist vollkommen OK, sich überfordert zu fühlen. Nur solltest du auch wissen, dass du aktiv etwas gegen diese Leere tun kannst. Ein strukturierter Tagesablauf ist ein deppensicherer Lösungsansatz. (Foto: Unsplash/Matthew Henry)

Ja, das ist zwar das Internet, aber umblättern musst du trotzdem. Für famose Tipps, wie du die Energiewaage hältst und wie mit Fatigue und Chemo-Nebel umgehst.

Über die Serie

Eine Krebsdiagnose schlägt wie ein riesiger Meteorit in das Leben von Betroffenen und Angehörigen ein. Wer damit konfrontiert wird, weiß im ersten Moment nicht, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Das ist komplett normal. Bisher schien alles so toll in geradlinigen Bahnen zu verlaufen. Nun sind vom einen auf den anderen Tag die Prioritäten total verschoben.

Kurvenkratzer reicht dir mit dieser Checklisten-Serie Tipps für die Bewältigung des Schocks. Wir haben praxiserprobte Hilfestellungen für die häufigsten Situationen während einer Krebserkrankung für dich auf Lager – vom medizinischen Gespräch bei der Diagnosestellung bis zum Reha-Aufenthalt in der Nachsorgephase. Und wir geben Impulse, wie dir ein achtsamer Umgang mit der Erkrankung gelingt.

Bitte beachte: Krebs ist höchst individuell. Die auf diesen Seiten enthaltenen Informationen stellen keine verbindliche und vollumfängliche medizinische Auskunft dar. Bitte berate dich betreffend deiner Therapieentscheidung jedenfalls mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Kurvenkratzer übernimmt keine Haftung für Fehlbehandlungen.

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