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Krebserkrankt als Elternteil
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Krebs als Elternteil: So sagst du es deinen Kindern

Das Gespräch mit den Kindern über die eigene Krebserkrankung ist sicherlich eines der schwierigsten. Worauf es ankommt, um als Familie weiter zusammenzuhalten, erklären wir in diesem Beitrag.

Seite 2/2: Auf dieser Seite bekommst du ein paar Kommunikationstipps an die Hand und unsere Checkliste zum Herunterladen.

Wie erkläre ich Kindern Krebs?

Krebs lässt sich Kindern am besten als eine Art „Fehler in den Zellen“ erklären. Der menschliche Körper besteht aus vielen kleinen Bausteinen, den Zellen, die sich regelmäßig teilen, um Wachstum und Erneuerung zu ermöglichen – wie etwa bei Haaren oder Fingernägeln. Normalerweise funktioniert das reibungslos, und kleinere Fehler werden vom Immunsystem („Körperpolizei“) behoben. Manchmal jedoch, wenn der Körper Pech hat, gelingt diese Reparatur nicht, und fehlerhafte Zellen teilen sich weiter und breiten sich aus. Auf diese Weise entsteht Krebs.

Passe die Erklärung an das Alter und das Verständnis deines Kindes an. Kinderbücher, die das Thema Krebs altersgerecht behandeln, können dabei eine hilfreiche Unterstützung sein.

Bücher übereinander gestapelt obendrauf drei Holz-Dinosaurier
Ein passendes Kinderbuch kann dich dabei unterstützen, deinem Kleinkind Krebs verständlich zu machen. (Foto: Pexels/Cottonbro)

Niemand hat Schuld an der Krebserkrankung

Kinder neigen dazu, sich verantwortlich zu fühlen, wenn ein Elternteil krank wird. Gedanken wie „Ich war nicht brav“ oder „Ich habe Mama geärgert“ können schnell entstehen. Vermittle ihnen deshalb klar: Krebs hat nichts mit ihrem Verhalten zu tun. Weder können sie die Krankheit auslösen noch beeinflussen. Diese Botschaft ist wichtig, um Sorgen und Missverständnisse zu vermeiden.

Wie reagiert mein Kind, wenn ich erzähle, dass ich Krebs habe?

Die Reaktionen von Kindern auf die Nachricht, dass ein Elternteil Krebs hat, können sehr unterschiedlich sein: verständnisvoll, besorgt, liebevoll, fürsorglich, still, abweisend oder klammernd. Wichtig ist, dass die Angst, das Kind zu überfordern, nicht dazu führt, es außen vor zu lassen.

Beobachte dein Kind aufmerksam und gib ihm Zeit, die neue Situation zu verarbeiten. Informiere Erzieher:innen oder Lehrer:innen, damit sie bei Verhaltensänderungen besser unterstützen können. Bei Unsicherheiten kann auch eine Beratung durch psychoonkologische oder psychosoziale Einrichtungen hilfreich sein.

Psychoonkologische Hilfe ist speziell auf die Bedürfnisse von Menschen mit einer Krebserkrankung ausgerichtet. In einem geschützten Rahmen kannst du offen über Ängste und Sorgen sprechen, während gemeinsam individuelle Bewältigungsstrategien entwickelt werden. Mehr dazu findest du in unserem Beitrag „Ist die Diagnose gesichert? Gezielt informieren nach der Diagnose von Krebs in fünf Schritten“.

Sollen wir nach der Krebsdiagnose ganz normal weitermachen?

So zu tun, als wäre nichts passiert, hilft weder dir noch deiner Familie. Ignorieren oder Verdrängen ist keine Lösung, da die Auswirkungen einer unbehandelten oder spät behandelten Erkrankung schwerwiegend sein können. Dennoch ist es für Kinder wichtig, gewohnte Routinen nicht vollständig aufzugeben. Behalte vertraute Abläufe bei oder etabliere neue Rituale, die euch als Familie Stabilität geben.

Kinder brauchen außerdem Raum, um ihre Gefühle zu verarbeiten. Beobachte, ob dein Kind mit der Situation klarkommt, und biete Unterstützung an, wenn nötig. Auch gemeinsame, fröhliche Momente sind wichtig – jedoch nicht direkt als Ablenkung nach schwierigen Gesprächen, sondern als bewusster Teil des Familienalltags.

Checkliste: Mit Kindern über Krebs sprechen

  • Ich teile dem Kind mit, dass ich an Krebs erkrankt bin.
  • Lieber früher als später spreche ich offen über die Diagnose.
  • Ich benenne die Krankheit beim Namen – „Krebs“ – und sage nicht einfach „Wehwehchen“.
  • Ich mache deutlich, dass Krebs nicht zwangsläufig bedeutet, sterben zu müssen.
  • Ich bleibe ehrlich und verschweige dem Kind nichts Wesentliches.
  • Ich erkläre altersgerecht, was das Kind wissen muss.
  • Ich vermittle kindgerecht, was Krebs ist und wie er entsteht.
  • Ich versichere dem Kind, dass niemand Schuld an der Erkrankung trägt.
  • Ich verändere den Alltag nicht abrupt, sondern halte an vertrauten Routinen fest.
  • Ich nehme alle Reaktionen des Kindes ernst und gehe sensibel darauf ein.
  • Ich binde das wichtigste soziale Umfeld des Kindes mit ein.
  • Ich suche mir Unterstützung, wenn ich merke, dass ich sie brauche.

Quellen und weiterführende Links:

Zum Weiterlesen:

Dieser Artikel entstand unter der Mitarbeit von Alexander Greiner und Dürten Reimer.

Titelfoto: Pexels/Gergo

Über die Serie

Eine Krebsdiagnose schlägt wie ein riesiger Meteorit in das Leben von Betroffenen und Angehörigen ein. Wer damit konfrontiert wird, weiß im ersten Moment nicht, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Das ist komplett normal. Bisher schien alles so toll in geradlinigen Bahnen zu verlaufen. Nun sind vom einen auf den anderen Tag die Prioritäten total verschoben.

Kurvenkratzer reicht dir mit dieser Checklisten-Serie Tipps für die Bewältigung des Schocks. Wir haben praxiserprobte Hilfestellungen für die häufigsten Situationen während einer Krebserkrankung für dich auf Lager – vom medizinischen Gespräch bei der Diagnosestellung bis zum Reha-Aufenthalt in der Nachsorgephase. Und wir geben Impulse, wie dir ein achtsamer Umgang mit der Erkrankung gelingt.

Bitte beachte: Krebs ist höchst individuell. Die auf diesen Seiten enthaltenen Informationen stellen keine verbindliche und vollumfängliche medizinische Auskunft dar. Bitte berate dich betreffend deiner Therapieentscheidung jedenfalls mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Kurvenkratzer übernimmt keine Haftung für Fehlbehandlungen.

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