Schwerbehindertenausweis leicht gemacht
Schwerbehindert klingt schwer – doch der Ausweis macht dein Leben als Krebspatient:in leichter. Wir sagen dir alles, was du über das Ticket für Schutz, Support und Alltagshacks im Krebsdschungel wissen musst.
Das lernst du gleich:
- Was „GdB“ bedeutet.
- Wie du den Ausweis beantragst.
- Welche Vorteile, Rechte und finanziellen Erleichterungen du dadurch bekommst – in Deutschland und Österreich.
Schwerbehindertenausweis. Klingt schwer, nicht? Und so müde, wie du dich vielleicht fühlst, ist so ein Bürokratiemonster echt das Letzte, was du brauchst. Ja, wir verstehen dich. Aber gib dem Zettelchen eine Chance – wir sind immerhin hier, um ein bisschen Leichtigkeit reinzubringen.
Denn wenn du das lange Wort erstmal wie einen Vorhang beiseiteschiebst, begegnet dir ein ganzes Publikum an “Nachteilsausgleichen”. Ach, schon wieder so ein Unwort. Okay, der Nachteil – das ist das Krebsdingens, das du mit dir rumschleppst. Und die Ausgleiche – die sitzen im wohlwollend lächelnden Publikum. Sie helfen dir dabei, auf der Bühne des Lebens weiter mitzuspielen, so gut es eben geht.
Die Eintrittskarte zu dieser Vorstellung ist der Schwerbehindertenausweis.
Fast jede:r Zehnte in Deutschland besitzt so einen Ausweis. Krebs ist dabei einer der häufigsten Gründe. Das Kärtchen ist dein Zugang zu Schutzrechten, steuerlichen Vorteilen, Mobilitätshilfen, Unterstützung im Arbeitsleben und allerlei Erleichterungen im Alltag.
Wir haben viel zu besprechen, aber keine Angst: Alles, was du wissen musst, haben wir kurz, kompakt und übersichtlich für dich zusammengefasst. Zuerst kommt Deutschland dran, dann widmen wir uns Österreich. Auf geht’s!
Der „GdB“ – die Basis für alles
Das erste Stichwort. „GdB“ steht für den Grad der Behinderung und der muss mindestens 50 betragen, damit du einen Schwerbehindertenausweis bekommst. Erst ab diesem Wert giltst du offiziell als schwerbehindert.
Steckst du mitten in einer aktiven Krebstherapie (Chemo, Bestrahlung, Immuntherapie usw.) wird meistens ein GdB von mindestens 50 anerkannt.
Nach Ende der Behandlung wird der GdB regelmäßig überprüft. Er kann sinken, wenn sich dein Gesundheitszustand verbessert. Wenn es nötig ist, wird deine Situation begutachtet.
Merkzeichen
Merkzeichen sind diese ominösen Extra-Buchstaben im Schwerbehindertenausweis. Sie zeigen, welche Einschränkungen bei dir vorliegen. Das hat aber nicht den Zweck, deine Krankheit bis ins kleinste Detail zu beschreiben, sondern zeigt ganz einfach, welche Nachteilsausgleiche oder besonderen Rechte mit deinem Zustand einhergehen.
Der Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung umfasst den GdB plus das Merkzeichen. Bei Antragstellung prüft das zuständige Amt also beides und gewährt dir je nach medizinischer Lage die entsprechenden Merkzeichen. Falls sich dein Gesundheitszustand im Laufe der Zeit verschlechtert hat, kannst du später weitere bzw. zusätzliche Merkzeichen beantragen.
Häufige Merkzeichen bei Krebs:
- G – bei Einschränkungen des Gehvermögens, z. B. durch Fatigue, Atemnot, Schwäche, Schmerzen, Neuropathien oder Metastasen
- H – bei täglicher Hilfsbedürftigkeit, z. B. bei stark einschränkenden Therapien oder bestimmten Tumorarten wie Hirntumoren
Und nein, ein eigenes Merkzeichen K für Krebs gibt es nicht. Beantrage Merkzeichen nur, wenn diese Beschreibungen auf dich zutreffen.
Ach, übrigens – wenn wir uns schon im Bürokratiedschungel befinden: Willst du wissen, wie du durch die Krebsphase hinweg finanziell gesund bleibst? Hier lang!
So stellst du den Antrag
Die Antworten auf die Fragen “Wer gilt als schwerbehindert?“, „Wie wird der GdB bestimmt?“ und „Welche Nachteilsausgleiche gibt es?” sind in ganz Deutschland die gleichen. Hurra! So weit, so einfach.
Aber: Die Verfahren und die Antragstellung sind Ländersache.
Deshalb unterscheiden sich Abläufe und Formulare je nach Bundesland leicht. Manche Bundesländer (z. B. Bayern oder NRW) haben Onlineportale, die dir den Behördengang ersparen.
Deine Schritte zum Antrag:
- Geh zum Versorgungsamt und verlange nach dem Antrag zum Schwerbehindertenausweis (oder online, je nach Bundesland).
- Gib alle Beeinträchtigungen an, nicht nur die Krebserkrankung selbst – z. B. Depressionen, Ängste, chronische Müdigkeit, Fatigue, Schmerzen.
- Reiche auch alle medizinischen Unterlagen ein.
- Dann heißt es ca. 3–5 Monate auf den Bescheid warten.
Der Ausweis gilt in der Regel erstmal 5 Jahre. Diese Zeit nennt sich (Achtung, gleich kommt noch ein Unwort, das nur halb so schlimm ist, wie es klingt) „Heilungsbewährung“. Darauf folgt eine erneute Prüfung. Die erste Diagnose allein reicht dann nicht mehr automatisch für einen GdB 50 – der aktuelle Gesundheitszustand zählt.
Auf der nächsten Seite widmen wir uns den Nachteilen, die der Ausweis ausgleicht, und holen dann noch schnell die Ösis ab.
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Über die Serie
Eine Krebsdiagnose schlägt wie ein riesiger Meteorit in das Leben von Betroffenen und Angehörigen ein. Wer damit konfrontiert wird, weiß im ersten Moment nicht, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Das ist komplett normal. Bisher schien alles so toll in geradlinigen Bahnen zu verlaufen. Nun sind vom einen auf den anderen Tag die Prioritäten total verschoben.
Kurvenkratzer reicht dir mit dieser Checklisten-Serie Tipps für die Bewältigung des Schocks. Wir haben praxiserprobte Hilfestellungen für die häufigsten Situationen während einer Krebserkrankung für dich auf Lager – vom medizinischen Gespräch bei der Diagnosestellung bis zum Reha-Aufenthalt in der Nachsorgephase. Und wir geben Impulse, wie dir ein achtsamer Umgang mit der Erkrankung gelingt.
Bitte beachte: Krebs ist höchst individuell. Die auf diesen Seiten enthaltenen Informationen stellen keine verbindliche und vollumfängliche medizinische Auskunft dar. Bitte berate dich betreffend deiner Therapieentscheidung jedenfalls mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Kurvenkratzer übernimmt keine Haftung für Fehlbehandlungen.
