Wenn’s im Bauch plötzlich still wird
Fehlgeburten passieren – viel öfter, als man denkt. Aber kaum jemand spricht darüber. Besonders nicht, wenn eine Krebserkrankung ein Mitgrund ist. Wir schon.
Seite 2/2: Auf dieser Seite erfährst du, welche Auswirkungen eine Krebstherapie auf eine Schwangerschaft haben kann.
Als wäre das Thema Fehlgeburt nicht schon schwer genug, gibt’s noch eine Überschneidung, über die kaum jemand spricht: Krebs und Kinderwunsch. Krebstherapien retten Leben, können aber die Fruchtbarkeit stark einschränken – und damit auch das Risiko für Fehlgeburten erhöhen:
- Chemotherapien können Eizellen schädigen und das Risiko für genetische Veränderungen erhöhen – besonders während der fruchtbaren Jahre.
- Baustelle: Schleimhaut. Eine Bestrahlung im Beckenbereich kann die Durchblutung der Gebärmutter beeinträchtigen. Die Schleimhaut kann dann nicht optimal aufgebaut werden.
- Hormonstörungen der Extraklasse. Hormonelle Therapien, wie beispielsweise bei Brustkrebs, können die Balance zwischen Progesteron und Östrogen stören – wichtige Hormone für eine stabile Schwangerschaft.
- Narben als Hindernis. Operationen an der Gebärmutter oder den Eierstöcken können Narben hinterlassen. Diese können sich auf die Einnistung oder das Wachstum auswirken.
Extra-Baustelle: Kinderwunsch & Krebs
Ein positiver Schwangerschaftstest nach einer Krebserkrankung kann sich anfühlen wie das größte Comeback des Lebens. Und wenn diese Hoffnung dann endet, bleibt oft nicht nur Trauer, sondern auch Angst. War es der Krebs? Die Therapie? Der Körper? Einfach Schicksal?
Das heißt nicht, dass es nicht funktionieren kann, schwanger zu werden und ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Aber: Krebs kann es erschweren. Studien zeigen: Frauen, die nach Krebs schwanger werden, haben insgesamt ein etwas höheres Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten oder Komplikationen – aber die Mehrheit bekommt gesunde Kinder. Zwei Studien dazu verlinken wir dir am Ende des Artikels.
Wichtig ist, dass der Körper Zeit bekommt, sich zu erholen. Viele Ärzt:innen empfehlen, mindestens ein bis zwei Jahre nach Therapieende abzuwarten, bevor man schwanger wird. Nicht, um Hoffnung zu bremsen – sondern um dem Körper Raum zu geben, sich zu regenerieren und eventuelle Spätfolgen zu beobachten.
Du hast bereits alles versucht, es will mit dem Kinderwunsch aber einfach nicht klappen? Wie du mit Kinderlosigkeit wegen Krebs klarkommst, haben wir in einem Artikel, gemeinsam mit einer psychologischen Psychotherapeutin thematisiert.
Operation nötig – der Kinderwunsch bleibt
Muss wegen einer Krebserkrankung an der Gebärmutter, am Gebärmutterhals oder an den Eierstöcken operiert werden, kann es – je nach Art und Ausdehnung des Tumors – sein, dass keine Schwangerschaft mehr möglich ist. Eine Operation bedeutet aber nicht immer das Ende eines jeden Kinderwunsches.
Wird die Erkrankung früh erkannt, gibt es manchmal schonendere Operationsmethoden, die die Fruchtbarkeit erhalten können. Sprich mit deinem Ärzt:innenteam ganz offen über den Eingriff, wie umfangreich er wirklich sein muss und ob es Möglichkeiten gibt, Gebärmutter oder Eierstöcke zu schonen. Gerade bei frühen Stadien von Gebärmutterhals- oder Gebärmutterschleimhautkrebs ist das oft eine Option. Trotzdem steht deine Gesundheit immer an erster Stelle.
„Mein Körper hat mich wieder im Stich gelassen.“ Ein Gedanke, der sich nach einer Fehlgeburt schonmal in ein Hirn einschleichen kann. Besonders nach einer Krebserkrankung kommt zur Trauer oft diese alte Angst zurück. Aber: Dein Körper hat dich nicht im Stich gelassen. Er hat überlebt, sich erholt, und jetzt darf er trauern. Gib ihm die Zeit, die er braucht.
Was helfen kann:
- Sprich darüber. Mit Partner:in, Freund:innen oder einer psychoonkologischen Fachkraft.
- Lass dich medizinisch begleiten. Eine gynäkologische Nachsorge kann klären, ob hormonelle oder organische Ursachen vorliegen.
- Vertraue auf Zeit. Eine Fehlgeburt bedeutet nicht, dass es nie klappt – oft klappt es beim nächsten Versuch. Gib dir und deinem Körper Zeit.
Wenn die Schwangerschaft auf sich warten lässt
Wenn es mit der Schwangerschaft nach einer Krebserkrankung einfach nicht klappen will, dann kann eine Kinderwunschklinik unterstützen. Es gibt auch die Möglichkeit, Eizellen oder Spermien einzufrieren. Das nennt sich Kryokonservierung. Und das kann klappen. So wie bei David. Er hat uns im Interview von seinem Wunder aus der Kyrokonservierung erzählt. Lis mal rein!
Wenn es nicht möglich ist, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, kann auch eine künstliche Befruchtung infrage kommen – im Reagenzglas etwa. Methoden wie ein IVF (In-Vitro-Fertilisation) oder ICSI (Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) ermöglichen es, Embryonen vor dem Einsetzen zu untersuchen. So lässt sich das Risiko genetisch bedingter Fehlgeburten etwas verringern.
Wichtig: Sprich mit deinem Behandlungsteam, bevor du schwanger wirst oder Fruchtbarkeitsbehandlungen startest. Denn nicht jede Krebsart oder Hormontherapie erlaubt sofort wieder eine Schwangerschaft.
Noch wichtiger: Eine Fehlgeburt ist kein Rückschritt und kein persönliches Scheitern.
Sie ist eine Erfahrung, die schmerzt, aber nichts über deine Stärke oder deinen Wert aussagt.
Fehlgeburten sind kein Randthema. Sie sind Realität – für viele Frauen, viele Paare. Aber weil kaum jemand darüber spricht, fühlen sich Betroffene oft einsam, isoliert und unverstanden. Jede Fehlgeburt ist ein Abschied. Von einem Kind, von einer Zukunft, von einem Traum. Und Abschiede brauchen Raum. Darum reden wir darüber.
In diesem Artikel hast du erfahren…
- dass Fehlgeburten nach Krebs häufiger vorkommen können, aber nicht die Regel sind,
- welche Behandlungen das Risiko beeinflussen können,
- warum dein Körper mehr kann, als du ihm manchmal zutraust.
Quellen und weitere Links:
- Bei der Deutschen Krebshilfe kannst du mehr zum Kinderwunsch bei einer Krebserkrankung nachlesen.
- Auf dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs findest du mehr Infos zu Fehlgeburten.
- Bei FertiPROTEKT, einem Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen, findest du Adressen von Kliniken, die Verfahren wie etwa Kryokonservierung durchführen.
- Die Deutsche Gesellschaft für Andrologie bietet eine derartige Anlaufstelle für Männer.
- In einer Studie “Unerwünschte geburtshilfliche Ergebnisse nach einer Brustkrebsdiagnose: Eine beobachtende Datenbankstudie in Deutschland” kannst du mehr zum Risiko von Fehlgeburten nach einer Krebserkrankung lesen.
- In dieser dänischen Kohortenstudie für “Spontane Fehlgeburten nach Krebserkrankung im Kindesalter“ kannst du mehr zum Risiko von Fehlgeburten nach einer Krebserkrankung lesen.
Titelbild: Unsplash/Alicia Petresc
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