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Fehlgeburten bei Krebs
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Wenn’s im Bauch plötzlich still wird

Fehlgeburten passieren – viel öfter, als man denkt. Aber kaum jemand spricht darüber. Besonders nicht, wenn eine Krebserkrankung ein Mitgrund ist. Wir schon.

Du bist hier richtig, wenn… 

  • du verstehen willst, wie sich Chemotherapie, Bestrahlung oder Hormonbehandlungen auf Gebärmutter, Eizellen und Schwangerschaft auswirken können,
  • du dich fragst, wie du nach einer Fehlgeburt körperlich und seelisch wieder ins Gleichgewicht kommst, 
  • du nach einer Krebserkrankung einen Kinderwunsch hast.

Eine Schwangerschaft läuft nicht immer wie im Bilderbuch ab. Manchmal verabschiedet sich das kleine Wunder, noch bevor es richtig da war. Und dann die große Frage: Warum? Wir haben uns erkundigt, was passiert, wenn der Wunsch, Eltern zu werden, nur beim Wunsch bleibt – und was eine Krebserkrankung für Auswirkungen auf eine Schwangerschaft haben kann. 

Eines vorweg: Fehlgeburten sind häufig. Etwa jede fünfte Schwangerschaft endet vor der 12. Woche – ganz unabhängig von Vorerkrankungen. 

Wenn der Körper selbst entscheidet 

In den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft läuft der Körper im Hochleistungsmodus. Zellen teilen sich, winzige Organe entstehen, Hormone tanzen Samba. Kurz: Es passiert ein biologisches Wunder im Minutentakt. Und genau da liegt das Risiko – je komplexer der Prozess, desto größer die Chance, dass etwas schiefgeht. 

Die häufigste Ursache für eine Fehlgeburt in den ersten Wochen sind Fehlentwicklungen des Embryos. Der Körper erkennt, wenn etwas nicht so wächst, wie es sollte, und zieht die Notbremse – es ist eine Art Selbstschutz. Also gar nicht mal so blöd von ihm.  

Ab Mitte 30 steigt das Risiko, eine Fehlgeburt zu erleiden. Auch Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck, Schilddrüsenstörungen oder Infektionen können eine Rolle spielen.
Ebenso Veränderungen an der Gebärmutter oder chronischer Alkohol-, Zigaretten- oder Drogenkonsum. Logisch. 

Aber: Die allermeisten Fehlgeburten haben nichts mit einem Fehlverhalten der Eltern zu tun. Sie passieren. Punkt. Nicht, weil jemand etwas „falsch gemacht“ hat, sondern weil die Natur manchmal andere Pläne hat.  

Frau hält Ultraschallbilder von Baby
Die meisten Fehlgeburten haben nichts mit einem Fehlverhalten der Eltern zu tun. Sie passieren – weil die Natur manchmal andere Wege geht. (Foto: Pexels/Pavel Danilyuk)

Viele Fehlgeburten passieren so früh, dass man gar nicht weiß, dass man schwanger war. Wenn sich die befruchtete Eizelle nicht richtig einnistet oder die Entwicklung stoppt, beendet der Körper die Schwangerschaft selbst. Meist äußert sich das als Blutung, die mit einer normalen Periode verwechselt werden kann. 

Typische Anzeichen können sein: 

  • Blutungen oder Schmierblutungen 
  • Krämpfe im Unterbauch 
  • Plötzliches Nachlassen typischer Schwangerschaftssymptome wie Übelkeit oder gespannte Brüste 

Und dann gibt es die leisen Fehlgeburten. Keine Schmerzen, kein Tropfen Blut. Der Ultraschall zeigt nur, was wirklich niemand sehen will: ein kleines Herz, das nicht mehr schlägt. Medizinisch nennt man das auch intrauterinen Fruchttod (IUFT) 

Was passiert, wenn’s passiert  

Wie dein Körper mit einer Fehlgeburt umgeht, hängt davon ab, wann sie passiert.
Ganz am Anfang regelt er das oft selbst – wie ein System, das merkt, dass etwas nicht stimmt, und auf „Reset“ drückt. Das Gewebe wird dann meist selbst abgestoßen. Manchmal läuft das leise ab, manchmal mit mehr Blutung als erwartet.  

Bleibt Gewebe zurück, oder blutet es stärker, hilft eine kleine OP – eine sogenannte „Ausschabung“. Klingt schlimmer, als es ist: Dabei handelt es sich um einen kurzen Eingriff, der den Körper schützt und den Prozess sauber abschließt.  

Ist die Schwangerschaft weiter fortgeschritten, braucht der Körper mehr Unterstützung. Dann wird die Geburt eingeleitet – mit Medikamenten, manchmal auch per Kaiserschnitt. Medizinisch betrachtet ist das Routine. Emotional eher weniger. 

Grundsätzlich wird zwischen einer Fehlgeburt und einer Totgeburt unterschieden. Unter 500 Gramm spricht man von einer Fehlgeburt, darüber von einer Totgeburt. Der psychische Schmerz ist derselbe. Rechtlich gesehen gibt es sowohl in Deutschland als auch in Österreich einen Unterschied: Nur bei einer Totgeburt gelten Mutterschutzfristen. 

Ob ganz am Anfang oder mitten im dritten Trimester – eine Fehlgeburt ist immer ein Verlust. Und wenn zusätzlich eine Krebserkrankung ins Spiel kommt, kann das noch belastender sein. 

Auf der nächsten Seite erfährst du, warum eine Krebserkrankung ein zusätzlicher Grund für eine Fehlgeburt sein kann. 

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