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Weltkrebstag
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Gemeinsam einzigartig: Krebsprojekte unserer Community

Zum Weltkrebstag haben wir euch gefragt, welche Community-Projekte bei euch besonders nachhallen. Was zurückkam, war alles – nur nicht leise. 

Spitz die metaphorischen Öhrchen. In diesem Artikel erfährst du… 

  • welche Community-Projekte bei Krebserfahrenen gerade besonders gut ankommen,
  • wie Menschen aus der Community andere unterstützen,
  • warum diese Initiativen mehr sind als nur nette Ideen!

Krebs zu haben, ist ziemlich bescheiden. Aber das weißt du wahrscheinlich selbst. Was du auch weißt: Alleinsein macht alles lauter: Angst, Fragen und das Chaos im Kopf. 

Hier kommt Coping ins Spiel. Es ist das, was hilft, wenn der Boden wackelt und alles dröhnt. Manche copen für sich. Andere drehen die Lautstärke hoch und geben weiter, was ihnen geholfen hat 

Sie gründen Projekte, sammeln Spenden, schaffen Räume, machen Mut oder brechen Tabus. Aus einer Erfahrung wird ein Echo. Und plötzlich hallt etwas zurück, das nicht nur einer Person hilft.   

Wenn Coping Gemeinschaft wird 

Vor genau einem Jahr haben wir mit #uniquewaysofcoping zum Weltkrebstag gezeigt, wie unterschiedlich Menschen mit Krebs umgehen. Schreiben, reden, zeichnen, schmettern oder auch einfach jeden Tag aufs Neue aufstehen. Alles legitim. 

Letztes Jahr startete die dreijährige Kampagne der Union for International Cancer Control unter dem Motto “United by Unique”. Dass wir gemeinsam einzigartig sind, lassen wir uns nicht zweimal sagen. Du willst mehr zum Weltkrebstag wissen? Hier geht’s zu unserer Infoseite weltkrebstag.com.

Dieses Jahr schauen wir dorthin, wo aus diesem Weg etwas sehr Konkretes entsteht. Wo Coping nicht nur hilft, durchzukommen, sondern anfängt, andere mitzutragen. 

Du findest hier Projekte von und für Menschen mit Krebserfahrungen, die wir kennen und lieben. Von Menschen, die Kurvenkratzer schon lange begleiten. Und von Initiativen, die uns auf Social Media von der Krebscommunity vorgeschlagen wurden. Von kleinen Gesten, die unterstützen, bis hin zu großen Kampagnen. Hier kommen sechs coole Beispiele:

1. Charity-Darts-Event: Alexandra sammelt Spenden für junge Erwachsene mit Krebs 

Viele Menschen mit Krebs haben nicht viel Spielraum. Finanziell nicht. Körperlich nicht. Und emotional oft sowieso nicht. Eigentlich wäre schon genug damit zu tun, irgendwie durchzukommen. 

Und trotzdem gibt es Menschen wie Alexandra Galeziok. Sie lebt selbst mit unheilbarem Krebs und hat sich entschieden, ihre Energie nicht nur ins Leben, sondern auch ins Zurückgeben zu stecken. Für die Deutsche Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs, die sie aus ihrer Selbsthilfearbeit gut kennt, organisierte sie zum zehnjährigen Jubiläum ein Charity-Darts-Event gemeinsam mit ihrem Bruder und dem örtlichen Dartverein, dem er angehört. 

Monate voller Planung, Telefonate, Organisation. Gespendete Sachpreise für die Tombola, Helferinnen aus der Selbsthilfe, über 1.000 Besucher:innen. Am Ende standen 10.742 Euro auf der Spendenuhr. Und bei Alexandra blieb dieses schwer zu beschreibende Gefühl, trotz Erschöpfung etwas auf die Beine gestellt zu haben, das über sie selbst hinauswirkt. 

Charity-Dart
Alexandra Galeziok hat mit einem Charity-Darts-Event über 1.000 Besucher angezogen und Spenden für Krebsbetroffene gesammelt. (Foto: Privat)

2. Wohlfühlbeutel: wenn Blumen nicht reichen 

Diese Situation kennst du vielleicht: Jemand, den du liebst, hat Krebs. Und plötzlich wirken Blumen seltsam deplatziert und Floskeln komplett daneben. 

Die Wohlfühlbeutel sind aus genau diesem Moment entstanden. Der gleichnamige Verein füllt Taschen mit Dingen, die im Therapiealltag Sinn machen: Pflegeprodukte, kleine Ablenkungen, etwas zum Schreiben, eine persönliche Nachricht. Kein Deko-Zeug. Sondern richtige Alltagshelfer. 

Das Besondere: Mit jedem gekauften Wohlfühlbeutel entsteht gleichzeitig der nächste. Die Einnahmen werden nämlich genutzt, um weitere Beutel zusammenzustellen und in Onko-Abteilungen zu verteilen. Wer also einen Wohlfühlbeutel verschenkt oder den Verein unterstützt, sorgt gleich für eine doppelte Portion Liebe. Ziemlich toll, wenn du uns fragst.

3. ReSAILience: Segeltörns für junge Erwachsene mit Krebs 

Mit Krebs dreht sich vieles um Termine, Befunde und Wartezeiten. Gespräche kreisen oft um Krankheit, Therapie und das, was gerade nicht geht. Umso größer der Wunsch nach einem Ort, an dem all das nicht im Mittelpunkt steht. Man will reden. Oder schweigen. Oder einfach da sein, ohne erklären zu müssen. 

Genau da setzt reSAILience an. Der Verein bringt junge Erwachsene mit Krebserfahrung zusammen. Weit weg von Wartezimmern und Gesprächen über Befunde. Stattdessen geht’s …Trommelwirbel… RAUS AUFS WASSER. Segeln, Gemeinschaft, Erlebnisse, die nichts mit Therapieplänen zu tun haben.  

Die Segeltörns, also die Segeltrips, schaffen Raum für einen Tapetenwechsel und ermöglichen einen neuen Blick auf das eigene Leben. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, Teil eines Teams zu sein und das Steuer wieder selbst in die Hand zu nehmen. 

Wichtig ist, dass man das ärztliche Okay bekommt, an der Reise teilzunehmen. Vorerfahrungen sind nicht notwendig, denn das Skipper:innen-Duo vermittelt alle wichtigen Handgriffe und sorgt für die weitere Sicherheit an Bord. Der Selbstbehalt der Reise beträgt derzeit 280€, der Rest der Törnkosten wird vom Verein getragen. Du hast nicht so viel Geld parat? Kein Problem. ReSAILience e.V. bietet auch Stipendien an.  

Mast vom Segelboot von unten fotografiert vor blauem Himmel
reSAILience ermöglicht jungen Menschen mit Krebserfahrung einen Segeltörn. (Foto: Benedict Ziegler)

4. Das Märchen vom Hasen und vom Krebs: ein Kinderbuch für den guten Zweck 

Krebs ist schon für Erwachsene oft ein Irrgarten aus Fachbegriffen, Überforderung und Unsicherheit. Für Kinder erst recht. Wie erklärt man etwas, das man selbst schwer begreift?  

Genau hier setzt das Buch „Das Märchen vom Hasen und vom Krebs“ an. Das Buch basiert auf der Krebserfahrung von David Hauslauer. Erzählt wird sein Leben als tierisches Märchen. Der Hase ist dabei kein Zufall: „Hasi“ ist Davids Spitzname. So wird seine sehr persönliche Erfahrung in eine Form übersetzt, die für Kinder zugänglich ist, ohne zu überfordern. 

Und das Beste: Der gesamte Erlös wird an die Oberösterreichische Kinder-Krebs-Hilfe gespendet.

Uncategorized Haslauer_Maerchen_Fin_CP_Chris_Guetl
Gemeinsam mit Thomas Schiendorfer, der das Buch geschrieben hat, und Wolfgang Menschhorn, von dem die Illustrationen stammen, erzählt David seine Geschichte auf eine kinderfreundliche Art. (Foto: Chris_Guetl)

5. #focusonthegood: eine Social-Media-Challenge mit großer Wirkung 

Wenn alles von Krankheit, Terminen und Sorgen dominiert wird, gehen die guten Momente schnell unter.  

Die Idee #focusonthegood kommt von Inga Herrmann. Nach einem Spaziergang Anfang 2023 merkte sie: Sich an das Gute zu erinnern, passiert nicht von allein. Man muss manchmal gezielt die Lupe auf die positiven Momente richten.  

Also stellt sie sich (und auch anderen) auf ihrem Instagramprofil eine simple Frage: Was war diese Woche schön? Und kreierte den dazu passenden Hashtag. 

Daraus wurde eine wöchentliche Gewohnheit. Einmal pro Woche kurz stoppen, festhalten und teilen. Nach einem Jahr liegt da kein Hochglanz-Rückblick, sondern ein ehrliches Sammelsurium an Momenten, die einen durch das Jahr getragen haben. Seitdem hat Inga einige Mitglieder der Community ermutigt, ihre schönen Momente der Woche zu teilen. Was war deiner?

Ein Dankbarkeitstagebuch funktioniert übrigens nach derselben Logik. Du willst wissen, wie du losstarten kannst? Hier geht’s zur Anleitung.

Focus on the good schrift
Konzentriere dich auf das Gute. Inga Herrmann fragt auf Instagram: "Was war diese Woche gut?" (Foto: Privat)

6. Metastasierter Brustkrebs Schweiz: laut gegen Unsichtbarkeit 

Wenn unsere Community eines kann, dann ist es laut sein. Tabus brechen. Krebs nicht brav wegsortieren. Diese Lautstärke entsteht, weil Menschen sich zeigen. Weil sie ihr Leben teilen, statt sich auf ihre Diagnose reduzieren zu lassen.  

Ein starkes Beispiel dafür ist der Verein Metastasierter Brustkrebs Schweiz. In einer Kampagne, umgesetzt von der Kurvenkratzer Agentur, machen zwölf Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ihr Leben sichtbar und zeigen, dass sie mehr sind als ihre Diagnosen.  

Über allem steht das Motto: “Ich bin die, die lebt.” Und das zeigen sie: Durch eine Gegenüberstellung von echten PET-CT-Bildern mit einer kreativen und einzigartigen Vervollständigung des Satzes “Ich bin die, die…” werden die Protagonist:innen vollständig porträtiert. Nicht nur als Mutter, als “die Sterbende” oder als Teilaspekt, sondern als Mensch mit vielen Interessen, Sorgen und Wünschen. Du willst mehr zur LEBEN-Kampagne wissen? In unserem Artikel “Wir sind die, die leben” bekommst du den Überblick.  

Und sie sind nicht allein. Überall in der Community teilen Menschen ihre Geschichten im Internet, im Umfeld, in Medien: die unschönen, die lustigen, die traurigen, die ganz normalen. 

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"Ich bin die, die lebt" ist das Motto der LEBEN-Kampagne, die Awareness für das Leben mit metastasierten Brustkrebs schaffen will. (Foto: Lupi Spuma, Montage: Kurvenkratzer)

Gemeinsam einzigartig. Und gemeinsam weniger allein. 

Das waren ein paar Beispiele von so vielen tollen Projekten, die Menschen mit Krebserfahrung tagtäglich umsetzen. Der Weltkrebstag erinnert uns jedes Jahr daran, dass Krebs viele Gesichter hat. Und genauso viele Wege, damit umzugehen. „Gemeinsam einzigartig“ ist also kein Slogan, sondern ziemlich genau das, was hier passiert. 

Was als einzelne Erfahrung beginnt, bleibt oft nicht bei einer Person. Es wird geteilt, weitergetragen, verstärkt. Unsere Community wird sichtbarer und vernetzterCommunity-Projekte entstehen aus der Erfahrung heraus. Aus dem Bedürfnis, etwas zurückzugeben oder sichtbar zu machen, was sonst unter den Teppich gekehrt wird. Und wenn man genau hinsieht, merkt man: So eine Community gibt es sonst echt nirgendwo.

Titelbild: Pexels/Dbaler

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