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Reden mit den Profis
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So rockst du das medizinische Gespräch

Neunzig Prozent des Erfolgs ist Vorbereitung. Das gilt auch für das Behandlungsgespräch, denn es geht um deinen Körper. Wir helfen dir, damit das ärztliche Gespräch auf Augenhöhe gelingt.

Du bist hier richtig, wenn du wissen willst…

  • … wie du deine Therapie auf Augenhöhe mitentscheiden kannst
  • … wie du dich konkret auf das medizinische Gespräch vorbereitest 
  • … wie du deine Krankengeschichte professionell aufbereitest

Die Diagnose liegt vor, du hast dich über die Erkrankung informiert – nun steht das Gespräch zur Planung der Therapie an. Je besser du darauf vorbereitet bist, desto eher kannst du auf Augenhöhe mitentscheiden und bist für das, was kommt, gut gerüstet.

Schritt 1: Die eigene Krankengeschichte sorgfältig aufbereiten

Bereite dich am besten schon zu Hause gezielt auf das Behandlungsgespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt vor. Überlege dir konkrete Fragen und halte alle Informationen bereit, die für Diagnose und Therapie relevant sein könnten.

Dazu gehören zum Beispiel:

  • Symptome: Seit wann hast du welche Beschwerden? Könnten sie auch andere Ursachen haben – oder wurden solche bereits ausgeschlossen?
  • Voruntersuchungen: Welche Untersuchungen wurden bereits durchgeführt? Nimm alle vorhandenen Befunde mit.
  • Begleiterkrankungen: Gibt es weitere Diagnosen? Welche Medikamente nimmst du regelmäßig ein?
  • Allergien/Unverträglichkeiten: Gibt es bekannte Reaktionen auf Medikamente oder andere Stoffe?
  • Ergänzende Präparate: Nimmst du Nahrungsergänzungsmittel, Heilkräuter (z. B. TCM), spezielle Tees oder Vitamine ein?
  • Frühere Krankenhausaufenthalte: Warst du schon einmal stationär? Aus welchem Grund? Gab es Operationen?
  • Familiäre Vorbelastungen: Gibt es in deiner Familie bekannte (chronische) Krankheiten oder Krebserkrankungen?

Pro Tipp: Halte alle wichtigen Angaben und Fragen schriftlich fest!

Mann in gestreiftem Pullover vor einer Wand mit Skizzen und Plänen.
„Mach es zu deinem Projekt“, gilt auch für Krebserkrankungen – um dem Kontrollverlust entgegenzuwirken. (Foto: Pexels/Startup Stock Photos)

Schritt 2: Reduziere Stress – so gut es geht

Ein medizinisches Gespräch, insbesondere im Zusammenhang mit einer Krebsdiagnose, kann emotional und mental sehr belastend sein. Deshalb lohnt es sich, schon im Vorfeld für möglichst wenig Stress zu sorgen – organisatorisch wie auch innerlich.

Bereite dich folgendermaßen vor:

  1. Kenne den Ort: Weißt du genau, wohin du musst? Notiere dir die Adresse des Krankenhauses, die Lage der Station, Ambulanz oder Abteilung.
  2. Kläre, mit wem du sprichst: Führst du das Gespräch mit einer bestimmten Ärztin oder einem bestimmten Arzt? Notiere den Namen.
  3. Plane ausreichend Anreisezeit ein: Klinikgelände können groß und unübersichtlich sein. Der Weg vom Haupteingang bis zum Gesprächsort kann länger dauern. (Handelt es sich um einen Privattermin, ist Pünktlichkeit besonders wichtig.)
  4. Packe dein Notizbuch ein: Darin findest du deine Fragen und die wichtigsten Informationen – siehe Schritt 1.
  5. Nimm alle relevanten Befunde mit: Auch das hast du idealerweise in Schritt 1 bereits vorbereitet.
  6. Lass dich begleiten: Wenn möglich, nimm eine vertraute Person mit. Das kann entlasten, beruhigen – und hilfreich sein, falls du dir nicht alles merken kannst.
  7. Nimm Wartezeiten gelassen: In größeren Kliniken sind Verzögerungen keine Seltenheit. Etwas zur Ablenkung wie ein Buch, ein Podcast oder eine Atemübung hilft, die Nerven ruhig zu halten.
  8. Gönn dir danach Pufferzeit: Plane im Anschluss an das Gespräch keinen direkten Folgetermin. Wenn du ohne Zeitdruck in das Gespräch gehst, bleibst du aufmerksamer und konzentrierter.

Schritt 3: Im Gespräch Ruhe bewahren

Auch wenn Ärzt:innen oft unter Zeitdruck stehen – das bedeutet nicht, dass dein Anliegen weniger wichtig ist. Du hast das Recht auf ein gutes Gespräch, in dem du verstanden wirst und Antworten bekommst.

  • Bleib freundlich und respektvoll im Ton.
  • Wenn du dich damit wohlfühlst, kannst du das Gespräch mit einem passenden Scherz auflockern – auch medizinisches Personal schätzt Humor, sofern er respektvoll ist.
  • Achte trotzdem darauf, dass du ernst genommen wirst. Wenn du das Gefühl hast, nicht wertschätzend behandelt zu werden, sprich das ruhig, aber höflich, an.
  • Du hast dich gut vorbereitet. Teile deine Krankengeschichte mit, stelle deine Fragen und kläre, ob die Diagnose sicher feststeht.
Hund mit großen Ohren
Wirst du ausreichend gehört? Wenn du dich nicht ernst genommen fühlst, trau dich, es anzusprechen. (Foto: Unsplash/Kyle Smith)

Weitere wichtige Fragen, die du stellen kannst:

  • Welche Therapieoptionen gibt es in meinem konkreten Fall? Gibt es eine individuell angepasste Behandlung?
  • Besteht die Möglichkeit, an einer klinischen Studie teilzunehmen?
  • Welches Ziel verfolgt die Therapie? Geht es um Heilung, das Aufhalten des Krankheitsverlaufs oder das Lindern von Beschwerden?
  • Welche Nebenwirkungen und möglichen Langzeitfolgen sind mit der Behandlung verbunden?
  • Was passiert, wenn ich mich gegen eine Therapie entscheide?

Krebs ist eine ernste Erkrankung – aber das bedeutet nicht automatisch, dass du sofort eine Entscheidung treffen musst. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um gut informiert zu entscheiden. Warte aber auch nicht zu lange, wenn der Beginn der Therapie entscheidend ist.

Schritt 4: Medizinische Sprache richtig verstehen

  • Die medizinische Fachsprache ist oft kompliziert – und voller Begriffe, die leicht missverstanden werden können. Ein klassisches Beispiel: „Der Metastasenbefund ist negativ“ heißt, dass keine Metastasen gefunden wurden – also eine gute Nachricht.
  • Gerade in belastenden Situationen kann die Sprache der Medizin jedoch verunsichern. Viele Betroffene befinden sich in einem Zustand erhöhter Anspannung, fast wie in Trance. In dieser emotionalen Lage können Aussagen wörtlicher oder bedrohlicher wahrgenommen werden als sie gemeint sind.
  • Sei dir dessen bewusst – und frag ruhig nach, wenn du etwas nicht verstehst oder dir eine Formulierung seltsam vorkommt. Es ist dein gutes Recht, klare und verständliche Antworten zu erhalten.

Neben missverständlichen Begriffen wimmelt es im Medizinischen von Fachchinesisch. Wenn du jemanden zum Dolmetschen brauchst, wende dich am besten gleich an deine medizinische Vertrauensperson.

Auf der nächsten Seite findest du weitere Tipps für dein medizinisches Gespräch – inklusive Checkliste zum Download.

Über die Serie

Eine Krebsdiagnose schlägt wie ein riesiger Meteorit in das Leben von Betroffenen und Angehörigen ein. Wer damit konfrontiert wird, weiß im ersten Moment nicht, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Das ist komplett normal. Bisher schien alles so toll in geradlinigen Bahnen zu verlaufen. Nun sind vom einen auf den anderen Tag die Prioritäten total verschoben.

Kurvenkratzer reicht dir mit dieser Checklisten-Serie Tipps für die Bewältigung des Schocks. Wir haben praxiserprobte Hilfestellungen für die häufigsten Situationen während einer Krebserkrankung für dich auf Lager – vom medizinischen Gespräch bei der Diagnosestellung bis zum Reha-Aufenthalt in der Nachsorgephase. Und wir geben Impulse, wie dir ein achtsamer Umgang mit der Erkrankung gelingt.

Bitte beachte: Krebs ist höchst individuell. Die auf diesen Seiten enthaltenen Informationen stellen keine verbindliche und vollumfängliche medizinische Auskunft dar. Bitte berate dich betreffend deiner Therapieentscheidung jedenfalls mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Kurvenkratzer übernimmt keine Haftung für Fehlbehandlungen.

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