So rockst du das medizinische Gespräch
Neunzig Prozent des Erfolgs ist Vorbereitung. Das gilt auch für das Behandlungsgespräch, denn es geht um deinen Körper. Wir helfen dir, damit das ärztliche Gespräch auf Augenhöhe gelingt.
Seite 2/2: Wie verhältst du dich, wenn sich das medizinische Gespräch schwierig gestaltet? Auf dieser Seite geben wir dir ein paar nützliche Tipps.
Schritt 5: Bleib dran – auch wenn es schwierig wird
Halte die wichtigsten Gesprächsinhalte möglichst zeitnah schriftlich fest. Es kann sein, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, um die Krebserkrankung genauer zu beurteilen. Lass dich davon nicht entmutigen. Auf deinem Weg als Krebspatient:in geht es nicht immer geradlinig voran – manchmal geht es zwei Schritte vor und einen zurück.
Kleiner Ausblick: In diesem Artikel bereiten wir dich gezielt auf verschiedene Untersuchungen vor – damit du weißt, was auf dich zukommt.
Schritt 6: Keine Scham, nachzufragen
Krebs ist nicht gleich Krebs. Für jede Erkrankung existieren unterschiedliche Therapien, manchmal sogar mehrere. Das kann verwirrend sein. Lass dich nicht einschüchtern. Schäme dich nicht, nachzufragen, wenn du etwas nicht verstehst oder mit der geplanten Therapie nicht einverstanden bist, und bleibe trotzdem respektvoll.
Schritt 7: Fokussiert bleiben – das Wesentliche im Blick
Die Medizin besteht aus vielen Fachgebieten. Es kann vorkommen, dass deine Ärztin oder dein Arzt nicht auf alle Fragen eine Antwort hat – besonders, wenn sie außerhalb ihres Fachbereichs liegen. Nimm das nicht persönlich, sondern frag einfach nach, wer die richtige Ansprechperson für dein Anliegen ist.
Schritt 8: Die Krankheit selbst in die Hand nehmen
Einige Ärzt:innen, verhalten sich heutzutage immer noch wie unantastbare Autoritäten. Zum Glück verstehen sich viele Mediziner:innen mittlerweile als Partner:innen auf Augenhöhe. Sie geben Empfehlungen – entscheiden musst du selbst.
Deshalb: Mach dich schlau. Verstehe deine Krankheit, stelle Fragen, lies nach, sprich mit anderen Betroffenen. Je besser du informiert bist, desto sicherer kannst du entscheiden, was für dich passt. Du bist nicht nur Patient:in – du bist auch Expert:in in eigener Sache.
Checkliste: So wirst du zum Kommunikationsprofi
- Lupe auf die Krankengeschichte
- Weniger Stress ist besser fürs Reden
- Im Gespräch Zen-Meisterschaft erreichen
- Achtung, medizinische Begriffe können verwirren
- Halte durch, wenn es kompliziert wird
- Keine Scham! Bei Unklarheiten nachfragen
- Bleibe lieber beim Kernthema
- Nimm die Krankheit selbst in die Hand
Sonderfall: Sprachbarrieren oder Migrationshintergrund
In Gesprächen mit medizinischem Personal ist es besonders wichtig, klar und verständlich zu kommunizieren. Wenn sprachliche Hürden oder ein Migrationshintergrund hinzukommen, sollte unbedingt ein:e Dolmetscher:in hinzugezogen werden.
Dafür kommen verschiedene Personen infrage: vertraute Angehörige oder Freund:innen, staatlich geprüfte Dolmetscher:innen oder auch ehrenamtliche Unterstützer:innen. Oft ist jedoch die einfachste und effektivste Lösung, direkt in der jeweiligen Einrichtung nach zwei- oder mehrsprachigen Mitarbeiter:innen zu fragen. Sie kennen nicht nur die Sprache, sondern auch die Abläufe und medizinischen Fachbegriffe – ein klarer Vorteil.
Quellen und Links zum Weiterlesen:
- Mehr Inspiration findest du auf dem Instagram-Profil von Alexander Böhmer, Mutmacher und Gründungsmitglied des Netzwerks Cancer Unites.
- Warum es so wichtig ist, laut über Krebs zu sprechen, liest du im Artikel „Patient Advocacy: Wie über Krebs reden? Laut!“
- Wie Shared Decision Making funktioniert und warum es echte Partnerschaft zwischen Ärzt:innen und Patient:innen ermöglicht, erfährst du im Beitrag „Shared Decision Making: Auf Augenhöhe mit der Ärztin“ – und in unserem erklärenden Artikel „Was ist Shared Decision Making?“
- Ernil Hansen: Ärztliche Kommunikation – Worte wie Medizin. In: Elvira Muffler (Hrsg.), Kommunikation in der Psychoonkologie. Der hypnosystemische Ansatz. Carl-Auer Verlag, Heidelberg, 2015.
- Anja Mehnert et al.: Schwierige Gesprächssituationen in der Arzt-Patient-Interaktion. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz, Springer-Verlag, 2012.
- Viktor E. Frankl: Psychotherapie für den Alltag. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, Neuausgabe 1992.
Dieser Artikel entstand unter der Mitarbeit von Alexander Greiner und Dürten Reimer.
Titelfoto: Unsplash/Victor Larracuente
- Seite 1
- Seite 2
Über die Serie
Eine Krebsdiagnose schlägt wie ein riesiger Meteorit in das Leben von Betroffenen und Angehörigen ein. Wer damit konfrontiert wird, weiß im ersten Moment nicht, wie mit der neuen Situation umzugehen ist. Das ist komplett normal. Bisher schien alles so toll in geradlinigen Bahnen zu verlaufen. Nun sind vom einen auf den anderen Tag die Prioritäten total verschoben.
Kurvenkratzer reicht dir mit dieser Checklisten-Serie Tipps für die Bewältigung des Schocks. Wir haben praxiserprobte Hilfestellungen für die häufigsten Situationen während einer Krebserkrankung für dich auf Lager – vom medizinischen Gespräch bei der Diagnosestellung bis zum Reha-Aufenthalt in der Nachsorgephase. Und wir geben Impulse, wie dir ein achtsamer Umgang mit der Erkrankung gelingt.
Bitte beachte: Krebs ist höchst individuell. Die auf diesen Seiten enthaltenen Informationen stellen keine verbindliche und vollumfängliche medizinische Auskunft dar. Bitte berate dich betreffend deiner Therapieentscheidung jedenfalls mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Kurvenkratzer übernimmt keine Haftung für Fehlbehandlungen.
