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Ratgeber "Sexualität und Brustkrebs" | Teil 4
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Wieder zur eigenen Sexualität zurückfinden

Um Sex wieder gemeinsam genießen zu können, müssen Krebspatient*innnen oft erst den Weg zurück zur eigenen Lust, zur eigenen Erotik, alleine finden. So viele Veränderungen standen und stehen im Raum und haben die eigene Sexualität ganz schön mitgenommen. Genau deswegen solltet ihr euch bei diesem Prozess auch gar nicht stressen lassen. Ihr wählt euer eigenes Tempo und mit den Tipps aus diesem Teil des Ratgebers „Sexualität und Brustkrebs“ klappt’s bestimmt!

bezahlter Inhalt

Viele Brustkrebspatient*innen und ihre Partner*innen wünschen sich, so schnell wie möglich wieder in der Sexualität (und auch in ihrem übrigen Leben) zu dem Punkt zurückzukehren, bevor Brustkrebs über sie hereingebrochen ist. Das ist sehr verständlich, aber so nicht verwirklichbar. Denn Erfahrungen, besonders so heftige, intensive und mitunter traumatische, wie Sie sie im Zusammenhang mit Ihrer Brustkrebserkrankung und -behandlung gemacht haben, lassen sich nicht einfach ungeschehen machen.

Genauso wie eine Geburt, eine Trennung von einem Partner* einer Partnerin, ein Schwangerschaftsabbruch oder ein besonders intensives sexuelles Erlebnis Spuren in Ihrem Leben hinterlassen und Sexualität dadurch in einem anderen Licht erscheint, wird auch Brustkrebs zu Veränderungen führen.

Erweiterungen, Beschränkungen, veränderte Sensitivitäten, andere Erwartungshaltungen, aber auch der Ausbruch aus eingefahrenen Verhaltensweisen werden möglich: die Erlaubnis, die man sich selbst geben kann, in neue erotische Fantasien einzusteigen, die Einladung an den Partner*die Partnerin, dabei ein Stück mitzugehen, aber auch einen Teil nur ganz für sich zu behalten.

Das kann für den Anfang heißen: erogene Zonen wiederzufinden und eventuell neu zu entdecken, wieder zu lernen, die verletzten und nicht verletzten Körperstellen liebevoll zu berühren und sich ihnen bewusst zuzuwenden, sie im Alltag nicht rüde auszublenden, sondern sie besonders behutsam anzusehen, zu berühren und zu pflegen.

Woman After Chemotherapy On Grey Background
Du bist wichtig! Auch für dich selbst. Daher solltest du deine eigene Sexualität behutsam und liebevoll wiederentdecken dürfen. Trau dich! Foto: Adobe Stock

Ich für mich

Oft macht es Sinn, den weiteren Schritt in die Erotik zunächst alleine zu gehen, Lust und Erotik an Ihnen und für Sie selbst neu zu entdecken und wieder „in Betrieb zu nehmen“. Folgende Themen spielen häufig zusammen und sind für die Wiederaufnahme der Sexualität wichtig:

Der liebevolle Blick auf mich selbst

Wie selbstverständlich das klingt und wie schwer das vielen Frauen nach einer Brustkrebsoperation fällt! Vielleicht haben Sie große Angst davor, sich nach einer Brustoperation das erste Mal anzuschauen oder im Spiegel zu sehen. Denn viele Frauen sehen auf den ersten Blick nur die Defizite, die Narben, die Erschöpfung, die unfreiwillig veränderte Form der Brust oder der Brüste, nicht aber den Mut, den es gebraucht hat, schwere Entscheidungen zu treffen, Behandlungen durchzustehen, und die Entschlossenheit, „ich“ zu bleiben und mir nichts vom Brustkrebs wegnehmen zu lassen.

Schauen Sie genau hin – es gibt sehr gute Gründe, stolz auf sich zu sein!
Ratgeber "Sexualität und Brustkrebs"

Sie haben Anstrengendes hinter sich, auch noch Schwieriges vor sich, aber es ist möglich, sich zu akzeptieren, zu mögen und liebevoll zu behandeln. Sie sind wahrscheinlich am Schwierigen gewachsen. Und für Ihre Lieben bleiben Sie die, die Sie immer schon waren, unabhängig von Narben, Asymmetrien und Belastungen.

Beckenbodentraining

ist nach einer Chemotherapie und vor allem während einer antihormonellen Therapie sehr sinnvoll; das bewusste Anspannen und Entspannen kann Ihnen helfen, den Scheidenbereich und vor allem die Klitoris (den Kitzler) wieder lustvoller wahrzunehmen. Wenn „Lust aus dem Stand zu jeder Zeit“ wegfällt, heißt das nicht, dass Lustgefühle nicht mehr möglich sind. Erregung zu erreichen ist schwerer, es braucht eine längere Zeit, bewusste Reize und stärkere Stimulation als früher. Beckenbodentraining hilft, zu erfahren, dass Anregung und Wahrnehmung sexueller Gefühle wieder möglich werden. Beckenbodentraining kann man sich von der Krankenkasse verordnen lassen.

Chronische Müdigkeit (Fatigue)

tritt nach anstrengenden Krebsbehandlungen häufig eine Zeit lang auf, wird vielleicht auch von Ihnen als äußerst einschränkend und fast unüberwindbar erlebt und verschwindet auch nicht nach ausreichend Schlaf. Das sexuelle Verlangen wird dadurch deutlich herabgesetzt. Bitte sprechen Sie mit Ihren behandelnden Ärzt*innen darüber – oft kann eine Ursache dafür gefunden und die Müdigkeit verbessert werden. Lassen Sie sich von Menschen begleiten, die Ihnen Unterstützung angeboten haben – und machen Sie sich Termine für Spaziergänge aus, auch wenn es nicht immer leicht ist.

So undenkbar es vielleicht scheinen mag: Bewegung in der Natur verbessert die Müdigkeit und hebt die Stimmung, obwohl die anfängliche Überwindung groß sein kann.

Bewegung und Sport

sind sowohl auf der körperlichen als auch auf der psychischen Ebene wichtig: Licht ist ein natürliches Antidepressivum, regelmäßige, mehrmals wöchentliche mittelanstrengende Bewegung (Sie sollen sich mit einer zweiten Person während der Bewegung noch unterhalten können) wirkt sich nicht nur günstig auf den Verlauf einer Krebserkrankung aus, sondern verbessert auch die Durchblutung im gesamten Körper, stärkt die Blutgefäße im Becken und in den Schwellkörpern des weiblichen Genitalbereichs. Onkologische Rehabilitation ermöglicht es vielleicht auch Ihnen, in ein Leben mit mehr Bewegung einzusteigen.

Und wie steht’s mit der Selbstbefriedigung? Weiter zu Seite 2!

Über die Serie

Sex und Brustkrebs: Zwei Begriffe, die oft einfach nicht zusammenpassen. Warum Paare trotz Krankheit an ihr Liebesleben denken dürfen, welche Veränderungen in welchen Stadien zu erwarten sind und welche Perspektiven es gibt (und wie es die gibt!), zeigt euch der Pfizer-Ratgeber „Sexualität und Brustkrebs“.

Schon mal nach dem Thema gegoogelt? Und? Fündig geworden? Wir auch nicht. Wirklich qualifizierte Infos sucht man leider wie Nutella im Gewürzregal: vergebens! Wir digitalisieren den wertvollen Inhalt also 1:1 für euch und übernehmen damit die Sprache der Autoren. Die wissen nämlich genau worüber sie reden: Dr. Gabriele Traun-Vogt begleitet Paare bereits seit vielen Jahren als klinische Gesundheitspsychologin und Psychoonkologin. Co-Autor Peter F. Herdina lässt sein Wissen aus der Praxis als systemischer Psychotherapeut für Paare und Einzelpersonen einfließen, und Univ.-Prof. Dr. Christian Singer, MPH stand den Autoren als medizinischer Berater zur Seite. Die Rechte an den Inhalten des Ratgebers liegen bei Pfizer Corporation Austria GmbH, Wien.

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